🧾 SOP 22: Social-Media-Kanäle barrierefrei bespielen

So erreichst du mit deinen Posts, Videos und Stories wirklich alle

Wer sollte diese SOP lesen?

👨‍💻 Entwickler | ✍️ Content | 👩‍🎨 Design | 🧑‍⚖️ Recht | 📊 Projektleitung | 👔 Geschäftsführung | 🖥️ IT | 🎯 UX 🧾

Ăśberblick zu SOP 22

📌 Was du hier machstDu gestaltest deine Social-Media-Kanäle so, dass Inhalte für möglichst viele Menschen zugänglich sind – z. B. durch Alternativtexte, Untertitel, einfache Sprache und kontrastreiche Visuals.
đź§  VoraussetzungDu nutzt Social Media zur Kundenkommunikation, fĂĽr Werbung oder Content Marketing.
⏱️ DauerCa. 2–4 Stunden zur Erarbeitung + laufender Aufwand für Umsetzung & Kontrolle.
🧷 Gesetzlich verpflichtend?✅ Ja – sobald Social Media Teil deines digitalen Produkts/Angebots ist, gelten die Barrierefreiheitsanforderungen (insb. BFSG i. V. m. EN 301 549).
📍 Nächster Schritt→ SOP 23: Navigation und Linktexte

Am Ende hast du einen Standard-Workflow für alle deine Videoproduktionen etabliert. Jedes Video wird mit präzisen Untertiteln, einem vollständigen Transkript und – wo nötig – einer Audiodeskription veröffentlicht. Damit erfüllst du die gesetzlichen Anforderungen und machst deine Inhalte für ein maximal breites Publikum zugänglich.

Du publizierst das Accessibility Statement auf deiner Website als eigene Unterseite mit dem Titel „Erklärung zur Barrierefreiheit“ oder „Barrierefreiheitserklärung“, ähnlich wie deine Datenschutzhinweise, AGB oder Impressum.

Zusätzlich solltest du sie zur Dokumentation als Text-Dokument in deinem „Barrierefreiheits“-Ordner ablegen, wo bereits deine „Beurteilung“ (aus SOP 1 bis SOP 3) und deine Entscheidung zur Umsetzung (SOP 4) liegt.

  • ⏱ Initialaufwand: ca 30 – 90 Minuten  (fĂĽr LektĂĽre dieser SOP und Erstellung der Unterseite sowie dem Text-Dokument)
  • ♻️ Pflegeaufwand: jährlich oder bei Gesetzesänderungen (ca. 1 Stunde)
  • DU (Projektverantwortliche/r): erstellst die Erklärung und holst Informationen ein.
  • IT / UX / Redaktion: liefern technische Infos & Content-Bewertungen.
  • Recht / GF: prĂĽfen und geben frei.
  • Webteam: sorgt fĂĽr eine prominente Veröffentlichung.

đź•“ Wann musst du das machen?

  • Bei jedem einzelnen Post, jeder Story und jedem Video, das du erstellst und veröffentlichst.
  • Dies muss ein fester, nicht verhandelbarer Teil des täglichen Redaktions-Workflows werden.

⚖️ Welches Gesetz verlangt das?

  • • EAA / BFSG: Das Gesetz zielt primär auf deine eigenen Produkte und Dienstleistungen (Website, App). Deine Kommunikation ĂĽber diese Dienste auf Drittplattformen ist jedoch ein Teil deines Angebots. Ein unzugänglicher Kanal kann als diskriminierend gewertet werden.
  • Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG): Verhindert die Benachteiligung von Menschen aufgrund einer Behinderung.
  • WCAG 2.1: Die Prinzipien (Wahrnehmbar, Bedienbar, Verständlich) sind universell und gelten auch fĂĽr die Inhalte, die du auf Social Media erstellst. Es ist eine Frage der guten fachlichen Praxis. đź§­ Der Prozess im Detail

đź§­ Der Prozess im Detail

0 von 3 Schritten erledigt0 %
🟥 Schritt 1: Beachte die Regeln für alle Plattformen

Diese Grundregeln gelten immer und ĂĽberall.

 

  • Alternativtexte sind Pflicht: Jedes Bild, das du postest, muss einen beschreibenden Alternativtext (Alt-Text) haben. Beschreibe kurz und präzise, was auf dem Bild zu sehen ist und welchen Kontext es hat. Dies ist die mit Abstand wichtigste MaĂźnahme.
  • Bei Bildern in Links oder Buttons muss der Alt-Text den ZWECK des Links/Buttons beschreiben, nicht nur den Inhalt des Bildes.
  • Videos haben Untertitel : Jedes Video mit gesprochenem Inhalt benötigt Untertitel. Auf Social Media sind eingebrannte Untertitel (Open Captions) oft die beste Wahl, da viele Nutzer:innen Videos ohne Ton ansehen. Ansonsten nutze die Untertitel-Funktion der jeweiligen Plattform. (Siehe SOP 31)
  • Hashtags in #CamelCase: Schreibe Hashtags in „Kamelhöcker-Schreibweise“. Ein Screenreader liest #barrierefreiheitistwichtig als ein einziges, unverständliches Wort vor. #BarrierefreiheitIstWichtig wird hingegen korrekt als „Barrierefreiheit Ist Wichtig“ vorgelesen.
  • Emojis ans Ende: Platziere Emojis am Ende von Sätzen, nicht mittendrin. Ein Screenreader liest sonst jede Emoji-Beschreibung einzeln vor (Rakete, Diagramm mit steigender Tendenz…), was den Lesefluss komplett zerstört.
  • Kontraste in Grafiken: Jeder Text, der auf einem Bild oder in einer Grafik platziert wird, muss einen ausreichenden Farbkontrast zum Hintergrund haben. (Siehe SOP 23)
  • Wichtiges im Text wiederholen: Verlasse dich nicht darauf, dass alle die Information in deiner Grafik lesen können. Die Kernaussage gehört auch immer in den Beschreibungstext des Posts. Denn Informationen, die nur visuell vermittelt werden (z.B. nur durch Farbe oder nur in einem Bild), sind fĂĽr manche Nutzer nicht zugänglich.

Nachdem du die grundlegenden Regeln verstanden hast, schauen wir uns plattformspezifische Eigenheiten an.

đźź§ Schritt 2: Denke an die Plattform-spezifisichen Regeln

Jede Plattform hat ihre eigenen kleinen Eigenheiten, an die du natĂĽrlich auch denken willst. Hier nur die wichtigsten Plattformen.

Instagram:

  • Alt-Text: Beim Hochladen eines Bildes findest du unter „Erweiterte Einstellungen“

das Feld für den Alternativtext. Du kannst ihn auch nachträglich

hinzufĂĽgen, indem du den Beitrag bearbeitest.

  • Untertitel: Nutze fĂĽr Reels und Stories den „Untertitel“-Sticker. Er generiert

automatisch Untertitel, die du aber unbedingt auf Korrektheit prĂĽfen und

bearbeiten musst.

X (Twitter), Facebook & LinkedIn:

Alt-Text: Beim Hochladen eines Bildes erscheint ein „ALT“- oder „Bearbeiten“-Button

direkt auf dem Bild. Nutze ihn.

  • Untertitel: Lade fĂĽr Videos auf LinkedIn oder Facebook eine Untertitel-Datei (.srt)

hoch oder bearbeite die automatisch generierten.

TikTok:

  • Untertitel: Aktiviere beim Bearbeiten deines Videos die Funktion „Automatische

Untertitel“.

  • PrĂĽfe und korrigiere den Text, bevor du postest.

Nun, da du weißt, wie du Inhalte für spezifische Plattformen anpasst, geht es darum, Links und Sprache verständlich zu halten.

🟨Schritt 3: Halte die Links und Sprache verständlich

Das bedeutet im Wesentlichen zwei Dinge:

  • Keine kryptischen Links: Vermeide generische Link-VerkĂĽrzer wie bit.ly/3xYqZabc. Wenn du einen VerkĂĽrzer nutzt, dann mit einem benutzerdefinierten, lesbaren Namen (z. B. bit.ly/Barrierefreie-Checkliste). Der Link-Text sollte stets kurz, verständlich und aussagekräftig sein .
  • Einfache Sprache: Formuliere kurze, klare Sätze. Vermeide ĂĽbermäßigen Fachjargon und komplizierte Satzkonstruktionen. Deine Botschaft soll ankommen, nicht beeindrucken.

âś… Ergebnis

Am Ende dieser SOP hast du:

  • Eine wirklich inklusive Social-Media-Präsenz, die niemanden ausschlieĂźt.
  • Deine potenzielle Reichweite und Interaktion erhöht, weil mehr Menschen deine Inhalte konsumieren können.
  • Ein positives und verantwortungsbewusstes Markenimage, das dein Engagement fĂĽr Barrierefreiheit unterstreicht.
  • Einen klaren und einfachen Workflow fĂĽr dein Social-Media-Team etabliert. đź’¬ Copy-Paste-Baustein: Deine Barrierefreiheits-Checkliste fĂĽr Social Media Posts Hier noch Template, der dir hilft, die Barrierefreiheitsregeln fĂĽr Social Media Posts schneller in die Praxis umzusetzen. Dieser Baustein fasst die wichtigsten Punkte aus deiner SOP zusammen und bietet eine Checkliste, die du allen Leuten in deinem Unternehmen geben kannst, die Social Media Inhalte posten. Bevor du deinen nächsten Social Media Post veröffentlichst, gehe diese kurze Checkliste durch. Sie hilft dir dabei, deine Inhalte fĂĽr alle zugänglich zu machen – schnell und unkompliziert! âś… Deine Post-Checkliste fĂĽr mehr Barrierefreiheit:

• Bilder (Fotos, Grafiken, Screenshots):

• Alt-Text ist gesetzt? Jedes Bild MUSS einen beschreibenden Alternativtext haben. Erkläre kurz und präzise, was auf dem Bild zu sehen ist und welchen Kontext es hat.

 

•

Bild in Link/Button? Wenn das Bild ein Link ist (z.B. ein Logo, das zur Startseite führt) oder ein Button (z.B. ein „Suchen“-Icon), beschreibt der Alt-Text den ZWECK des Links/Buttons (z.B. „Startseite“, „Zur Suche“), nicht nur den Bildinhalt.

 

Text auf Bild lesbar? Jeder Text, der direkt auf dem Bild oder in der Grafik platziert ist, hat einen ausreichenden Farbkontrast zum Hintergrund

 

• Wichtiges im Text wiederholt? Alle wichtigen Informationen, die auf deiner Grafik stehen, sind zusätzlich auch im Beschreibungstext des Posts enthalten. Denn Informationen, die nur visuell vermittelt werden (z.B. nur durch Farbe), sind nicht für alle zugänglich.

 

• Videos (Reels, Stories, Clips):

• Untertitel vorhanden? Jedes Video mit gesprochenem Inhalt hat Untertitel. Überprüfe die automatischen Untertitel der Plattform

immer auf Korrektheit und korrigiere sie bei Bedarf.

 

• Eingebrannt oder Plattform-Funktion? Auf Social Media sind eingebrannte Untertitel (Open Captions) oft die beste Wahl, da viele Videos ohne Ton angesehen werden. Alternativ nutze die Untertitel-Funktion der jeweiligen Plattform.

 

• Texte und Links:

•

Hashtags in #CamelCase? Schreibe Hashtags immer in Kamelhöcker-Schreibweise (z.B. #BarrierefreiheitIstWichtig ), damit Screenreader sie korrekt als einzelne Wörter vorlesen.

 

•

Emojis am Ende? Platziere Emojis immer am Ende von Sätzen oder Textblöcken, niemals mittendrin, um den Lesefluss für Screenreader-Nutzer nicht zu stören.

 

• Links klar & lesbar? Wenn du einen Link teilst, ist der Link-Text kurz, verständlich und aussagekräftig . Vermeide generische Link-Verkürzer; nutze stattdessen solche mit benutzerdefiniertem, lesbarem Namen (z.B.

bit.ly/Barrierefreie-Checkliste ).

 

• Sprache einfach? Deine Sätze sind kurz und klar. Vermeide unnötigen Fachjargon und komplizierte Satzkonstruktionen. Fragen und Antworten (FAQ ) zu dieser SOP

đź’¬ Copy-Paste-Baustein

Fragen und Antworten (FAQ) zu dieser SOP

Ich nutze eine Design-Software, um meine Grafiken zu erstellen. Reicht es, wenn ich dort die Farbkontraste ĂĽberprĂĽfe?

Ja, prinzipiell reicht das, wenn die Software verlässliche Kontrast-Tools integriert hat (z.B. nach WCAG-Richtlinien). Wichtig ist aber: Überprüfe den Kontrast immer im Endformat auf der jeweiligen Plattform . Manchmal kann die Komprimierung von Bildern oder Videos durch Social-Media-Plattformen die Farben leicht verändern und den Kontrast reduzieren. Mache Stichproben, nachdem der Post online ist

Was ist, wenn ich einen Link teilen möchte, der sehr lang ist und keine Option für einen benutzerdefinierten Link-Namen bietet?

In diesem Fall ist es entscheidend, dass der Link-Text im Post selbst sehr aussagekräftig ist. Du kannst zum Beispiel schreiben: „Mehr Details findest du in unserem neuesten Blogbeitrag: [Link einfügen]“. Selbst wenn der Link dann kryptisch aussieht, weiß der Nutzer, worauf er sich einlässt. Setze den Fokus auf die Klarheit der Beschreibung, die dem Link vorangeht.

Ich habe gehört, dass zu viele Emojis auch am Ende eines Satzes problematisch sein können. Stimmt das?

Ja, das stimmt. Obwohl Emojis am Ende des Satzes besser sind als mittendrin, kann eine lange Kette von Emojis den Screenreader-Nutzern immer noch den Lesefluss erschweren, da jede einzelne Beschreibung vorgelesen wird („Rakete, Rakete, Rakete, Feuerwerk…“). Beschränke dich auf maximal zwei bis drei relevante Emojis pro Zeile oder Textabschnitt, um die Informationen prägnant zu halten und den Mehrwert des Emojis nicht in unnötige Wiederholungen zu ertränken.