So triffst du eine kluge Entscheidung

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Überblick zu SOP 09

🕓 Wann musst du das machen?

  • Bevor du ein Projektteam aufbaust.
  • Bevor du Tools oder Agenturen für Barrierefreiheit buchst.
  • Sobald du alle Barrieren erfasst (SOP 6) und die Beseitigung der Barrieren priorisiert (SOP 8) hast.

⚖️ Welches Gesetz verlangt das?

Es gibt keine direkte Vorschrift für diese Entscheidung, aber du haftest ab dem 28. Juni 2025 für die Barrierefreiheit deines Produkts, musst nachweisen können, dass du aktiv wirst, und trägst die Verantwortung, egal wie die Umsetzung erfolgt.

🧭 Der Prozess im Detail

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🟥 Schritt 1: Verstehe die Anforderungen

In einem ersten Schritt musst du dir klar darüber werden, dass Barrierefreiheit einige zusätzliche Skills erfordert, die nicht zwangsläufig „schon“ in dem jeweiligen Fachbereich vorhanden sind.

Nimm nur als Beispiel einen Bereich wie Content: Alle Team-Mitglieder haben sicherlich die Fähigkeit, Inhalte zu erstellen. Aber nicht jede Person weiß, wie sie Alt-Texte schreiben soll oder wie sie etwas in sog. „einfacher Sprache“ formuliert.

Hier sind die typischen zusätzlichen Aufgaben, die bei einem Barrierefreiheitsprojekt von den jeweiligen Teams abgedeckt werden  – und die sie sehr oft zusätzlich erlernen müssen:

• Technik:   Fokussteuerung, Tastatur-Navigation, ARIA-Labels.

• Design:   Kontraste, Schriftgrößen, visuelle Indikatoren.

• Content:   Alt-Texte, einfache Sprache, barrierefreie PDFs.

• Rechtliches:   Accessibility Statement, Feedback-Mechanismus.

• Testing:   manuelles Testing mit NVDA, WAVE, axe etc.

• Dokumentation:   Nachweise für Behörden, Versionsverläufe.

Überlege dir jetzt schon einmal, wie ausgelastet deine vorhandenen Fachbereiche sind.

🟧 Schritt 2: Prüfe, ob die Skills vorhanden sind, das intern umzusetzen

Als Nächstes musst du klären, ob in deinem Unternehmen die relevanten und benötigten   Accessibility Skills   vorhanden sind oder sich die beteiligten Personen diese Skills aneignen können.

Stelle deinem Team und den relevanten Abteilungen folgende Fragen:

• Haben wir Kenntnisse in   WCAG 2.1 / EN 301 549 ?

• Haben wir Entwickler mit Erfahrung in   semantischem HTML / ARIA ?

• Haben wir jemanden für   barrierefreie PDFs / Untertitel   etc.?

• Haben wir   Test-User mit Behinderungen   oder Zugang zu Testsoftware?

• Haben wir   Kapazität im Zeitplan   (jetzt – 06/2025)?

Wenn mehr als zwei dieser Punkte mit „Nein“ beantwortet werden, solltest du vielleicht die   externe Umsetzung   in Erwägung ziehen.

🟨Schritt 3: Hole Angebote von Externen ein und vergleiche sie

Ok, du hast jetzt eine grobe Idee davon, wieviele Leute und Rollen involviert sein würden – und wieviele der benötigten Skills Ihr Inhouse habt.

Unabhängig davon, zu welchem Ergebnis du kommst:  Du solltest dir auf jeden Fall immer auch Angebote von externen Agenturen und Freelancern einholen, um einen objektiven Vergleich der anfallenden Kosten zu haben.

Hole dir mindestens zwei Angebote für die Bereiche

  • Audit & Quick-Win-Bericht
  • Komplettumsetzung sowie laufende Betreuung
  • und Testing ein.

Frage dabei konkret nach WCAG-Referenzen, Pauschalen statt Stundenlöhnen, Support- & Schulungsangeboten und den genutzten Tools & Methoden. Lass dir bei Bedarf auch einen AV-Vertrag zur Prüfung geben, falls personenbezogene Daten involviert sind (Dein/e Datenschutzbeauftragte/r wird es dir danken).

🟩 Schritt 4: Triff eine Entscheidung – Make or Buy?

Wenn du schon in Schritt 2 festgestellt hast, dass deine Firma die Kapazitäten nicht hat, sich diese Skills anzueignen oder sie umzusetzen, ist diese Entscheidung für dich wahrscheinlich schon klar: Du wirst es wohl extern machen müssen.

Du musst jetzt nur noch zwischen den Anbietern auswählen.

Aber auch dann, wenn du die Möglichkeit hast, das auch intern umzusetzen, solltest du externe Hilfe nicht gleich in Bausch und Bogen verwerfen, sondern eine objektive und realistische Bewertung vornehmen.

Vergleiche jetzt dazu die interne mit der externen Umsetzung anhand von Kriterien wie

  • Kontrolle
  • Zeitaufwand
  • Know-how
  • Kosten
  • Risiko

Bedenke auch eine Hybridlösung, bei der beispielsweise das Audit und die Konzeption extern erfolgen, die Umsetzung aber intern stattfindet.

🟦 Schritt 5: Dokumentiere die Entscheidung

Hast du oder die GF die Entscheidung getroffen, solltest du jetzt deine Entscheidung schriftlich dokumentieren und in demselben Ordner ablegen, in dem deine Beurteilung aus SOP 1-3 liegt.

In folgenden Unterschritten erstellst du dein Entscheidungsdokument:

  1. Lege ein Dokument an und benenne es entsprechend:

Erstelle ein neues Textdokument (z.B. in Word, Google Docs) und speichere es als „ Entscheidung zur Barrierefreiheitsumsetzung nach BFSG “ im selben Ordner wie deine „Beurteilung“ (aus SOP 1).

Gib ihm eine klare   Überschrift , z.B. „Entscheidung zur Umsetzung der Barrierefreiheit gemäß BFSG“.

  1. Fasse die Ausgangslage zusammen:

Erinnere kurz daran, dass dein [dein Produkt/deine Dienstleistung, z.B. „Online-Shop“] laut deiner Beurteilung (SOP 1-3) seit dem   28. Juni 2025   barrierefrei sein muss.

3.Beschreibe Projektumfang & Anforderungen:

Nenne die Kernbereiche des Barrierefreiheitsprojekts und die benötigten Kompetenzen, z.B. „ Technik, Design, Content und Testing „.

Bewerte interne Ressourcen:

Halte fest, ob dein Team die benötigten   Kenntnisse und Kapazitäten   intern hat oder ob Lücken bestehen. Wenn mehr als zwei Fragen aus Phase 2 mit „Nein“ beantwortet wurden, erwähne dies hier kurz.

Fasse externe Angebote zusammen (optional):

Gib eine kurze Übersicht der eingeholten Angebote, auch wenn du dich für eine interne Lösung entscheidest. Nenne die   Anbieter und deren Leistungsumfang   (z.B. „Anbieter A: Komplettumsetzung für X Euro“).

Formuliere die finale Entscheidung & Begründung:

Gib klar an, ob die Umsetzung   intern ,   extern   oder   hybrid   erfolgt.

Begründe deine Wahl   anhand der Kriterien wie   Kontrolle, Zeitaufwand, Know-how, Kosten, Risiko und Skalierbarkeit . Wähle eine der folgenden Formulierungen:

  • Intern:   „Aufgrund [Gründe, z.B. ‚vorhandener Expertise und Wunsch nach Kontrolle‘] wird die Barrierefreiheit   intern umgesetzt .“
  • Extern:   „Da [Gründe, z.B. ‚interne Kapazitäten begrenzt sind‘] wird die Umsetzung an einen   externen Dienstleister   vergeben.“
  • Hybrid:   „Wir wählen eine   Hybridlösung   mit [z.B. ‚externem Audit und interner Umsetzung‘], um die Vorteile beider Ansätze zu nutzen.“

Lege nächste Schritte & Verantwortlichkeiten fest:

Skizziere kurz, was als Nächstes passiert und   wer dafür zuständig   ist.

Dokument mit Datum & Unterschrift abschließen:

Füge das aktuelle Datum hinzu und lasse das Dokument von der   Geschäftsführung   unterschreiben.

✅ Ergebnis

Du hast nun:

  • Eine Entscheidung darüber getroffen, ob Ihr Euer Barrierefreiheit-Projekt Inhouse oder Extern umsetzt
  • Klar dokumentiert, warum diese Entscheidung getroffen wurde
  • Die Sicherheit, dass du jederzeit erklären und begründen kannst, warum und wieso diese Entscheidung wann von wem getroffen wurde Damit du keine Zeit damit verschwenden musst, dir den Kopf über die Anfrage des Angebots bei Externen zu machen, hier eine E-Mail-Vorlage, die du an Agenturen, Freelancern und anderen senden kannst Betreff: Angebotsanfrage: Umsetzung von Barrierefreiheit gemäß BFSG für [Dein Produkt/Dienstleistung, z.B. Online-Shop] Sehr geehrte Damen und Herren,

wir sind ein [kurze Beschreibung deines Unternehmens, z.B. „kleiner Online-Shop-Betreiber“] und sind von den Anforderungen des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG) betroffen. Unser [Produkt/Dienstleistung, z.B. „Online-Shop unter www.deine-domain.de“] muss möglichst bald barrierefrei sein.

Wir suchen einen erfahrenen Partner, der uns bei der Umsetzung der notwendigen Maßnahmen unterstützt. Bitte senden Sie uns ein Angebot für folgende Bereiche:

  • Audit & Quick-Win-Bericht: Eine erste Analyse und Empfehlungen für schnelle Verbesserungen.
  • Komplettumsetzung & laufende Betreuung: Umfassende Unterstützung bei der technischen und inhaltlichen Anpassung sowie fortlaufende Wartung.
  • Testing: Professionelles Testing auf WCAG 2.1 Level AA Konformität.
  • Bitte nennen Sie uns in Ihrem Angebot auch folgende Punkte:
  • Ihre Referenzen im Bereich WCAG 2.1 und EN 301 549 (Level AA).
  • Ob Sie Pauschalpreise statt Stundenlöhne anbieten können.
  • Welche Support- und Schulungsangebote Sie für unser Team bereitstellen.
  • Welche Tools und Methoden Sie für die Umsetzung und das Testing verwenden.
  • Einen Entwurf Ihres Auftragsverarbeitungsvertrags (AV-Vertrag), falls personenbezogene Daten involviert sind.

Wir freuen uns auf Ihr Angebot und stehen für Rückfragen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

[Dein Name und deine Kontaktdaten] Fragen und Antworten (FAQ ) zu dieser SOP

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Fragen und Antworten (FAQ) zu dieser SOP

Was ist, wenn sich meine Anforderungen oder mein Budget später ändern?

Das ist völlig normal! Eine Make-or-Buy-Entscheidung ist nicht in Stein gemeißelt. Die Dokumentation dient als Momentaufnahme. Sollten sich wesentliche Rahmenbedingungen (z.B. Teamkapazität, neue Produkte, Budget) ändern, solltest du den Prozess neu bewerten und deine Entscheidung, wenn nötig, anpassen und erneut dokumentieren. Sei flexibel.

Wie schätze ich den Zeitaufwand realistisch ein, wenn wir kaum Erfahrung haben?

Das ist die größte Herausforderung.

  • Schau dir erste Schätzungen an: Viele Agenturen bieten kostenlose Erstgespräche oder Quick-Checks an, die dir eine grobe Vorstellung des Umfangs geben können.
  • Starte klein: Versuche, ein sehr kleines Element deiner Website barrierefrei zu machen und dokumentiere den Aufwand. Das gibt dir ein Gefühl für die Komplexität.
  • Puffer einplanen: Plane immer deutlich mehr Zeit ein, als du anfänglich denkst. Unerwartete technische Hürden oder Lernkurven sind im Bereich Barrierefreiheit häufig.
  • Nutze Schulungen: Investiere in gezielte Schulungen für dein Team. Das mag kurzfristig Zeit und Geld kosten, zahlt sich aber langfristig in Effizienz und Qualität aus.
Was sollte ein %22Audit & Quick-Win-Bericht%22 genau beinhalten?

Ein guter Audit sollte:

  • Eine Analyse der größten Barrieren auf deiner Website.
  • Konkrete, priorisierte Handlungsempfehlungen zur Behebung.
  • „Quick Wins“ identifizieren: Leichte Anpassungen, die schnell einen großen Effekt erzielen.
  • Eine Einschätzung des Gesamtaufwands für die vollständige Barrierefreiheit.
  • Oft auch eine Schulung für dein Team, um erste Schritte selbst umzusetzen.

Es ist eine hervorragende Möglichkeit, einen Überblick zu bekommen und die Zusammenarbeit mit einem externen Partner zu testen.